Miss Mustard Seed´s Milk Paint

May 25, 2017

 Ich nehme es vorweg: Ich bin infiziert! Infiziert von dieser wunderbaren Farbe, die sich Milk Paint nennt! Die eine so wundervolle alte, vom Wetter gegerbte, vom Alter zermürbte, chippy und flaky Oberfläche kreiert... antik und authentisch! 

 

Und das fast ganz einfach.

 

Wenn man sich damit arrangieren kann, dass man die Farbe nicht unter Kontrolle hat.

 

Milk Paint ist eine Farbe, die aus Milch-Kasein besteht, zusätzlich je nach Firma noch aus Kreide, Kalk oder Ton und Pigmenten. Sie wurde schon früher verwendet, heute gibt es mehrere Hersteller solcher Farben. 

 

Milk Paint weist ein paar Besonderheiten auf. Tatsächlich ist sie nämlich nicht wirklich berechenbar. Mal blättert sie nach dem Trocknen stellenweise ab und bildet diesen schönen gebrauchten Effekt. Mal aber auch nicht... je nach Untergrund.

 

Die Farbe wird als Pulver, das man mit Wasser anrühren muss, angeboten. Zusätzlich kann man ein Extra Bonding, also eine Art Grundierung, erwerben. Wenn dieses zugefügt wird, stellt man sicher, dass die Farbe auf bereits behandelten oder lackierten Flächen haftet und nicht abblättert. Wenn man jedoch den abblätternden Effekt erzielen möchte, sollte man je nach Untergrund darauf verzichten oder eben nur wenig beimischen.

 

Zu entscheiden, ob man das Bonding benutzen möchte oder nicht, und wenn ja in welcher Menge, stellt wohl die größte Herausforderung dar. 

 

Ich entschied mich dafür, es ohne auszuprobieren. Ich wollte unbedingt den chippy Effekt erreichen und hatte Bedenken, dass die Farbe mit einem Bonding nicht abblättern würde. 

 

Über eine deutsche Website bestellte ich die kanadische Milk Paint von Miss Mustard Seed, ich würde sie mal als Marktführerin in Sachen Milk Paint bezeichnen. Sie ist relativ teuer, für 230g Pulver zahlt man ca. 27 Euro, dazu kommt der Versand.

 

Und dies ist die Kommode, die ich für meine Milk-Paint-Premiere ausgesucht habe.

 

 

 

Für 15 Euro über Ebay Kleinanzeigen gekauft. 

 

Zuerst einmal habe ich die Griffe entfernt und die Kommode zweimal mit einem Sperrgrund gestrichen, da ich fürchtete, dass das Tannenholz durchbluten würde. Ich habe schon in anderen Fällen diese Erfahrung mit diesem Holz gemacht.

 

Meine Miss Mustard Seed Milk Paint, Farbton GRAIN SACK (ein helles grau, fast weiß), wird zu gleichen Teilen mit Wasser angerührt.

 

 

 

 

 

 

Ich benutze eine Küchenwaage und einen Kinderquirl aus alten Beständen meiner Tochter. Perfekte Größe!

 

15 Minuten ruhen lassen, dann noch einmal sorgfältig durchrühren. Je dunkler die Farbe, desto mehr Pigmente sind enthalten und umso mehr sollte man auf eine sorgfältige Vermischung achten.

 

Der erste Auftrag. Die Farbe lässt sich gut verstreichen, hat einen etwas seltsamen Geruch (Kasein!) und fühlt sich hinterher leicht rau an.

 

So sah es nun aus:

 

 

Trocknen lassen.

 

Und dann: Enttäuschung! Nichts passiert! Keine abgeblätterten Stellen, kein chippy Look... nichts.

 

Und dann noch eine weitere Katastrophe. Nach dem ersten Anstrich musste ich eine Pause machen und die Farbe bis zum nächsten Tag verschließen. Ich vergaß dabei leider, dass man sie im Kühlschrank aufbewahren sollte.... mit dem Ergebnis, dass am nächsten Tag nur noch ein dicker, klumpiger Batzen im Glas war! Nicht mehr zu gebrauchen! Ärgerlich!

 

Ich hatte zum Glück nicht alles angemischt, sondern nur die Hälfte für den ersten Anstrich. Aber, wenn einmal der Wurm drin ist... Mit der zweiten Mischung passierte exakt das Gleiche: Nach dem zweiten Anstrich habe ich das Glas verschlossen und trotz Aufbewahrung im Kühlschrank war auch diese Mischung am nächsten Tag nicht mehr zu gebrauchen! Vielleicht hat das Glas nicht gut geschlossen. (Nachtrag: Ich versuche seither immer nur soviel Farbe anzumischen, wie ich aktuell brauche. Wenn ich doch einmal etwas überhabe, benutze ich statt Gläsern diese kleinen Plastikschalen, die man bekommt, wenn man beim Lieblingsgriechenstand Oliven kauft. Im Kühlschrank aufbewahrt geht es ganz gut). 

 

Die Kommode war also zweimal gestrichen. Aber die Farbe leer.

 

Und wo nach dem ersten Anstrich nur ganz leichte Abblätterungen zu sehen waren, waren sie nach dem zweiten Anstrich nicht mehr zu übersehen! Mit anderen Worten: Die gesamte Farbe löste sich in dicken Placken wieder ab!

 

 

 

So sah die ganze Kommode aus, die Schubladen noch schlimmer als der Rest. Schon bei vorsichtigem Wischen löste sich fast alles wieder ab. Das war dann doch zu viel! Es blieb kaum mehr Farbe übrig!

 

 

 

 

Farbe leer, zu geizig neue zu kaufen - da musste eine Lösung her!

 

Der Korpus der Kommode blätterte zwar, aber hier konnte ich gerade noch ein Auge zukneifen. Die Schubladen allerdings waren wirklich nicht mehr zu gebrauchen. Mit einem Staubsauger (!) habe ich fast die ganze Farbe in Schnipseln wieder abgenommen.

 

Da ich noch Kreidefarbe in einer fast identischen Farbe hatte, habe ich mir hiermit beholfen. Ich habe die Schubladen zweimal gestrichen und mit Hilfe eines Klebebandes habe ich sie im noch leicht feuchten Zustand im ähnlichen Stil in Stücken wieder abgenommen und hinterher stellenweise noch angeschliffen.

 

Fehleranalyse: Der doppelt aufgetragene Sperrgrund hat eine recht glatte Oberfläche erzeugt, die fast wie lackiert ist. Ich hätte hier wohl doch ein Bonding verwenden müssen, um zumindest das ganz arge Abblättern zu vermeiden. Gelernt für das nächste Mal!


Versiegelt habe ich das Möbelstück mit der Kreidefarbe Versiegelung von Lignocolor. Ich wollte gerne den leicht glänzenden Effekt für diese Kommode.

 

 Die passenden Schubladengriffe habe ich im Dänischen Bettenlager gekauft. 

 

 

Das Innere der Schubladen habe ich mit einem passenden, farbigen Papier ausgelegt.

 

 

Und so sieht die fertige Kommode jetzt aus:

 

 

 

 

Trotz aller Missgeschicke am Ende eine tolle Kommode, die alt und gebraucht aussieht und einen sehr schönen Charme hat.

 

 

 

 

 

 

 

Die nächste Milk Paint liegt übrigens schon bereit in meiner Garage.

 

Ich mag diese Farbe wirklich und ich habe jetzt an anderen Teilen auch sehr gute Erfahrungen machen können, die ich Euch demnächst präsentieren werde.

 

Habt Ihr schon einmal mit Milk Paint gearbeitet? Wie sind Eure Erfahrungen damit? Auf welchem Untergrund habt Ihr sie benutzt und wie verhielt sie sich? Ich freue mich über Eure Berichte!

 

 

 

...gone paintin´...

 

 

Eure Daggi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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