EIN WESPENNEST ENTFERNEN - ODER UMSIEDELN

Aktualisiert: Juli 8

Im Giebel des Dachgeschosses befindet sich mein Kleiderschrank. Eine Kleiderstange hängt von rechts nach links und das Ganze ist mit einem Vorhang vom Wohnraum abgegrenzt.



Über der Kleiderstange befindet sich ein schönes altes kreuzförmiges Fenster, bestehend nur aus ein paar Ziegelsteinen mit Loch, und keinem Glas.



Da ich es so schön finde, habe ich es einfach von innen mit einer Plexiglasscheibe verschlossen.


Nun habe ich aber vor ein paar Tagen mit Erschrecken festgestellt, dass sich ein Wespenstaat in dem Fenster ganz klammheimlich ein fettes Nest gebaut hat!



Ist mir gar nicht aufgefallen! Ich stieß tatsächlich nur per Zufall darauf. Weil ich im Schrank Staub gesaugt hatte und auf dem Boden unter dem Fenster schwarze Krümel lagen.


Prinzipiell hängt das Nest sicher hinter der Scheibe und tut eigentlich keinem etwas. Ich könnte abwarten, bis die Tiere im Herbst das Nest verlassen und es dann einfach herausholen. Aber offenbar gibt es im Plexiglas ganz oben einen Spalt, der sich nicht so richtig abdichten lässt. Außerdem befindet sich nicht weit vom Einflugfenster ein weiteres kleines Dachfenster, durch das auch der ein oder andere Querflieger schon hineingelangt ist. Das große Fenster meiner Tochter wiederum liegt nur zwei Meter unter dem Einflug. Alles in allem zu viele Möglichkeiten, sich zu verfliegen! Tatsächlich habe ich in letzter Zeit vermehrt Wespen hier oben entdeckt. Das fühlt sich nicht so gut an, immerhin schlafen wir hier.



Also führte ich einen kleine Recherche durch.

Wespen und Wespennester - Geschützt oder nicht?

Was mir nicht wirklich bewusst war: Wespen sind richtig nützliche Tiere! Sie bestäuben wie die Bienen Blüten und sie fressen Insekten und bekämpfen so Schädlinge im Garten. Unser Problem ist nur, dass sie stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Und das geht bei Wespen leider auch mehrfach. Am Ende des Sommers werden die Wespen zunehmend aggressiv und gerade für Allergiker stellt dies eine Gefahr dar.


Dazu muss man wissen: Die meisten Wespenarten stehen unter Naturschutz! Daher dürfen die Nester nicht einfach so entfernt werden. Man braucht dazu eine Genehmigung. Erster Ansprechpartner dafür ist die jeweilige "Unteren Naturschutzbehörde" des zuständigen Landkreises. Hier erfährt man, was im konkreten Fall erlaubt ist und was nicht und ob man eine Genehmigung zum Entfernen erhält. Zunächst wird allerdings abgewägt, ob man das Nest so sichern kann, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Doch manchmal ist dies eben nicht möglich.


Das Nest darf weg – doch wann ist der richtige Zeitpunkt?

Einführend muss man wissen, dass ein Nest immer nur einjährig benutzt wird. Die Königin sucht im Frühjahr (März bis April) einen geeigneten Nistplatz und die Wespen beginnen, aus Holzfasern und ihrem Speichel ein Nest zu bauen. So ein Nest beherbergt am Ende des Sommers bis zu 7.000 Tiere! Im Winter stirbt dann das gesamte Volk ab, nur die Jungkönigin überlebt und sucht sich einen Platz zum Überwintern. Im neuen Jahr beginnt das ganze von vorne, es wird aber niemals das gleiche Nest aufgesucht. Man könnte also theoretisch auf den Herbst warten. Schon nach den ersten Frostnächten stirbt der Wespenstaat ab, dann lässt sich das Nest ganz einfach und unkompliziert entfernen. Der Platz sollte dann gründlich gesäubert und möglichst so gesichert werden, dass nicht im neuen Jahr erneut ein Nest gebaut werden kann.

Möchte oder kann man aber nicht auf den Herbst warten, entfernt man das Nest am besten sofort! Je früher, desto einfacher. Denn ab April befindet sich das Nest noch in der „Bauphase“, ist noch nicht zu groß und noch nicht allzu bevölkert. Je länger man wartet, mit umso mehr Wespen hat man es zu tun.


Und wie entfernt man das Nest?

Hat man sich dazu entschlossen und die Genehmigung eingeholt, das Nest zu entfernen, gibt es zwei Möglichkeiten. Bei beiden wird unbedingt dazu geraten, sich einen Experten zu holen. Vom Entfernen auf eigene Faust wird absolut abgeraten! Man sollte sich einem Nest nicht dichter als vier Metern nähern, sonst macht man die Tiere nervös. Die Wespen setzen übrigens beim Stechen ein Hormon frei, das andere anlockt... ihr könnt euch vorstellen, was das bedeutet.


Mein erster Gedanke nach Entdecken des Nestes war die Feuerwehr. Sie entfernt aber, zumindest hier bei uns, nur Wespennester an öffentlichen Gebäuden, nicht an privaten Gebäuden.

Entfernen durch den Schädlingsbekämpfer

Einen Schädlingsbekämpfer, Kammerjäger oder auch einen Wespennotdienst findet man ganz einfach im Internet. Die Angebote sind groß, hier kann man sich Vergleichspreise einholen. Ich habe bei meiner Recherche verschiedene Angebote bekommen, das Günstigste lag bei € 130 inkl. Mwst.


Hat man den Auftrag erteilt, wird das Nest, sofern es zugänglich ist, mit giftigem Wespenschaum eingesprüht, somit zerstört und die Wespen getötet.

Eine Alternative zum Entfernen ist das Umsiedeln

Von dieser Alternative hatte ich bis dato nichts gewusst. Eine Umsiedlung ist nicht immer möglich, aber wenn, dann wird das Nest von einem Fachmann abgenommen, die Wespen eingesaugt, beides wird in Transportkisten verstaut und an einem mindestens 8 km entfernten Ort wieder aufgebaut. Die Wespen sollen sich am neuen Ort ansiedeln und nicht wieder zum alten Standort zurück fliegen.

Oftmals führen auch Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer eine solche Umsiedlung durch. Ich habe einen ehemaligen Imker online gefunden, hier in unserem Kreis ist er bekannt und wird empfohlen. Aber auch über Umweltschutzorganisationen kann man fündig werden.



Ich habe mich für eine Umsiedelung entschieden. Für die Umwelt und das gute Gewissen

Der erste Kontakt zu meinem Wespen-Fachmann war sehr unkompliziert und super nett. Er macht grundsätzlich nur Umsiedlungen, er zerstört generell keine Nester. Kurz vor dem abgesprochenen Termin musste jedoch leider noch einmal verschoben werden – Hornissenalarm in der Kita! Dafür habe ich natürlich vollstes Verständnis!


Am nächsten Tag sollte es dann aber losgehen. Rückblickend muss ich sagen, dass das Ganze mehr als unspektakulär ablief! Ich hatte mir vorgestellt, die Wespen würden durchdrehen, alles und jeden angreifen und wild durcheinander fliegen. Aber so war es nicht.



Das Nest wurde vorsichtig abgenommen, zügig im Plastikeimer verstaut, die herumfliegenden Wespen wurden mit einem umgebauten Staubsauger in einen weiteren Eimer mit doppeltem Boden eingesaugt. Etwa eine halbe Stunde wartet man dann noch am Ort auf die Rückkehrer, die dann auch einfach nur eingesaugt werden. Nun waren zu diesem Zeitpunkt auch "nur" ungefähr 1.500 Wespen im Nest, je länger man im Jahr wartet, umso rasanter mag es zugehen.



Das Ganze Prozedere ist schnell erledigt. Der leere Nistplatz wird zur Abschreckung mit Deo eingesprüht und die Herrschaften werden in den Wald gefahren. Hier werden Nest und Wespen wieder zusammengeführt. Das Nest wird mit Heißkleber in einer Bienenkiste befestigt. Dieser Teil ist der etwas spektakulärere, denn spätestens zu diesem Zeitpunkt sind die Wespen nicht mehr ganz so entspannt… aber damit hatte ich ja zum Glück nichts mehr zu tun.


Später am Nachmittag kam dann noch der ein oder andere verwirrte Rückkehrer, den ich ganz einfach durchs Fenster freigelassen habe.


Gekostet hat diese Umsiedlung € 135 inkl. Mwst. Das ist der gleiche Preis wie die giftige Variante beim Kammerjäger und spätestens da ist die Entscheidung doch klar, oder?



Und wie kann man in Zukunft vermeiden, dass sich Wespen erneut ansiedeln?

Um den Bau eines Wespennestes vorab zu vermeiden, versucht man am besten, die typischen Lieblingsplätze unattraktiv zu machen. Löcher verschließen, Ecken und Winkel mit Insektennetz schützen, man kann auch Düfte sprühen oder aufhängen. Offenbar mögen Wespen keinen Knoblauch, Lavendel, Salbei oder Zitrone. Auch Duftkerzen oder Deodorantgeruch mögen sie nicht.


Übrigens: Der Trick mit der braunen zerknüllten Papiertüte, die vortäuschen soll, dass hier bereits ein Nest hängt, wurde von meinem Fachmann als Humbug abgetan. Sie erleben sogar, dass sich Wespen neben bewohnten Hornissennestern ihr Nest bauen!


Mein Fazit: Vermeiden kann man es sicher nicht, dass Nester im oder am Haus gebaut werden. Ich hatte mein Nest erst gesehen, als es schon fertig war. Aber ich bin froh, dass ich von der Möglichkeit der Umsiedlung erfahren habe, denn wenn es möglich ist, ist es doch eine sinnvolle Alternative zum Töten der Tiere. Wenn das Nest allerdings nicht weiter stört und keine Gefahr darstellt, würde ich in jedem Fall versuchen zu warten, bis es unbewohnt ist.


Vielleicht konnte ich euch ein wenig helfen, falls auch ihr in der Situation seid, ein Nest in der Umgebung zu haben. Berichtet doch mal, wie sind eure Erfahrungen?















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