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Kamin mit Kreidefarbe streichen - eine lang gereifte Entscheidung und ein Fail


Es gibt Ideen, die müssen lange reifen. Manchmal auch dreizehn Jahre. Dieses Projekt war ein solches. Aber ich habe es geschafft: Ich habe meinen Kamin gestrichen!

Als wir einzogen, gab es im Wohnzimmer schon diesen alten Kamin. Er wird von der Küche aus über einen Einsatz betrieben, man sieht also kein Feuer, aber er gibt eine sehr schöne Wärme ab. Ich musste mich damals durchsetzen, ihn zu behalten, denn mein Mann wollte ihn im im Zuge der Renovierungen abreißen.

Die Farbe fanden wir schon damals gewöhnungsbedürftig. Aber da wir das ganze Haus renovieren mussten, blieb der Kamin erst einmal so.

Tatsächlich war er mir seitdem immer mal wieder ein Dorn im Auge. Die Wand über dem Kamin und die Fliesen da unter wurden mal so und mal so gestrichen - aber den Kamin zu streichen habe ich mich nicht gewagt. Selbst nach vielen Recherchen habe ich kein Produkt finden können, das für eine solche Oberfläche geeignet gewesen wäre - und wenn dann nicht in dem Farbton, den ich mir vorstellte.

Bis ich Kreidefarbe kennen gelernt habe. Je mehr ich mich damit beschäftige, umso eher probiere ich Dinge einfach aus. Wenn es schief geht, mache ich es eben neu.

Und daher habe ich mich auch endlich dazu entschlossen, den Kamin mit Kreidefarbe zu streichen. Bei diesem Projekt habe ich mich für die Firma "Painting the Past" entschieden und wählte eine Kreidefarbe in sogenannter Eggshell Qualität. Diese Farbe enhält bereits die Versiegelung, ist abwischbar und gerade auf Oberflächen, die nicht angeschliffen werden können, robust und kratzfest. Außerdem glänzt sie leicht, was ich für einen Kamin schöner finde als die pudrige Optik anderer Kreidefarbe.

Ich wählte den Farbton "Historical White" und bestellte vorsichtshalber zwei Dosen. Die Dose mit 750 ml kostet € 36,00.

Zunächst einmal habe ich den Kamin sorgfältig abgeklebt. Ich benutze immer Frog Tape, denn ich finde, das macht die perfektesten Kanten. Warum ich das erwähne? Kommt später.

Zum Streichen habe ich eine Lackrolle benutzt, um einen möglichst gleichmäßigen Farbauftrag zu erreichen. Das klappt bestens, doch um die grüne Farbe richtig deckend zu streichen, brauchte ich drei Schichten. Aber eigentlich keine langwierige Angelegenheit, mit Rolle streicht es sich nämlich wirklich fix.

Aber dann die Katastrophe: Als die Farbe trocken war, wollte ich das Klebeband abziehen. Leider hat es sich mit der Farbe so verbunden, dass es die gesamte Farbe einfach in einem großen Stück wieder abzog. Wie eine Folie konnte ich alle drei Schichten jeder Fliese, die mit dem Klebeband verbunden war, einfach abziehen!

Was war passiert?

Anruf bei meinem Lieferanten. Ich lernte: Wenn man das Klebeband nicht im feuchten Zustand abnimmt, schafft es das Band nicht mehr, die robuste Haut der Farbe durchzureissen. Die Lösung heißt dann, ein Lineal anzulegen und mit einem Cutter das Band von der Farbe zu trennen.

Für mich hieß das, die Farbe wieder komplett abzunehmen und neu zustreichen.

Da ich es am gleichen Tag aber nicht mehr schaffte, machte ich erst am Folgetag weiter. Und schon hatte sich die Farbe um einiges ausgehärtet und ich konnte sie nicht mehr leicht wie eine Folie abnehmen, sondern musste sie mit einem Schaber in kleinen Stückchen abkratzen.

Da das wirklich extrem mühsam war, habe ich am Ende nur auf den Fliesen die Farbe entfernt, wo sie wirklich abgerissen war und habe den Rest des Kamins so belassen. Ich hoffte, man würde die Übergänge beim erneuten Streichen später nicht sehen.

Nachdem ich also diese beschädigten Fliesen alle wiederum drei Mal gestrichen hatte, probierte ich den Trick mit dem Cuttermesser und dem Klebeband:

Und siehe da, dies funktionierte. Solltet Ihr also in die Verlegenheit kommen, den Lack in Eggshell Qualität mit Klebeband zusammen zu nutzen, denkt an diesen Tipp!

Man sieht übrigens zum Glück wirklich keine Übergänge bei den neu gestrichenen Fliesen. Mir gefällt mein Kamin richtig gut. Auch die Fliesen am Boden habe ich mit gestrichen. Die Wand über dem Kamin wurde ebenfalls weiß.

Die restliche Wand soll noch einen etwas anderen Farbton erhalten, um den Kamin noch mehr in den Vordergrund zu rücken.

Ich hatte für mein Projekt zwei Dosen bestellt, bin am Ende aber mit etwa 3/4 einer Dose ausgekommen. Für 36 Euro ist diese Farbe zwar teurer als andere, aber die Qualität der ausgehärteten Farbe hat mich wirklich überzeugt.

Den Härtetest hat mein Kamin auch schon hinter sich: Zwei Wochen nach dem Streichen ist bei uns die Heizung ausgefallen und wir mussten mit dem Kamin heizen.

Kein Problem für die Farbe!

Und so ist endlich aus dem grünen Ungeheuer ein dezenter Hingucker für das Wohnzimmer geworden, über den ich mich jeden Tag freue.

Mein Fazit: Wenn man den Trick mit dem Klebeband beherzigt, ist die Eggshell Farbe wunderbar. Sie hat genau den richtigen leichten Glanz und jetzt, wo sie ausgehärtet ist, hält sie bombenfest. Der Preis liegt im oberen Bereich, ist aber trotzdem vertretbar, denn eine Versiegelung spart man sich.

Ob ich ein weiteres Projekt damit streichen würde? Das wäre wohl abhängig davon, ob ich abkleben muss oder nicht. Wenn kein Klebeband im Spiel ist, würde ich sofort auf die Farbe zurückgreifen. Wenn Abklebearbeiten dabei wären, würde ich vielleicht lieber die Farbe in der matten Optik, also ohne Eggshell, nutzen und hinterher entsprechend versiegeln. Denn hundertprozentig sauber bekomme zumindest ich die Trennung vom Klebeband mit dem Cutter nicht hin.

Aber ich habe ja noch eine Dose Farbe hier und schaue mal, was ich damit anfange. Meine Türrahmen im Untergeschoss wären auch mal wieder fällig. Oder mein Terrassentisch. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

... gone paintin´...

Eure Daggi

#Kreidefarbe #Kamin

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